sensitiveguy86 fragte: Hi. I hope you speak some english. Loving the photos. I'm travelling South Africa next month. Any recommendations? Also. What camera and lenses where you using. Some photos are extremely good. Regards Ciaran

Dear Ciaran: Thanks a lot! I was using a simple Nikon D80 and three rather old lenses - a Nikkor 18-35/3.5-4.5, a Sigma 10-20/4.0-5.6 and an even older Nikkor 80-200 mm/2.8. Plus polarizing filter. Oh, and I took quite a few pictures with a small Canon Ixus - good to have it in your pocket while you hike or roam the streets of big cities. Recommendations? Yes: If you go camping, stop and sleep at the Storms River Mouth Rest Camp and enjoy the waves. If you visit parks, take your time and a guide. Oh, and have some pepper spray in your pocket, just in case. Enjoy your trip!

Liebe Freunde, liebe Familien,


dies ist der kleine Blog über unsere dreiwöchige Reise nach Südafrika 2011.
Wir sind rund 20 000 Kilometer geflogen, mehr als 5000 Kilometer gefahren, haben 2000-mal auf den Auslöser gedrückt und wurden mindestens zehnmal auf unser Campmobil angesprochen. Beinahe jeden Morgen wurden wir von einem anderen unerwarteten Geräusch geweckt: heulenden Hunden zum Beispiel, Vogelgeschrei, Dieselmotoren in der Wüste, vorbeifahrenden Güterzügen am Nationalpark, Gospelgesang auf dem Campingplatz.
Da tumblr immer die neuesten Einträge nach oben stellt, lest Ihr unsere Reise in umgekehrter Reihenfolge. Oder Ihr fangt auf Seite 6 an.
Wir freuen uns auf Eure Kommentare und wünschen viel Spaß bei Lesen und Gucken!

Juliane & Frank

Unendliche Weiten. Jeden Tag.

Unendliche Weiten. Jeden Tag.

Unser Zuhause für 19 Tage

Unser Zuhause für 19 Tage

Unser Camper von innen

Unser Camper von innen

Khayelitsha, Kapstadts größtes Township

Khayelitsha, Kapstadts größtes Township

Strand, schlemmen, Schluss


20. März. Fast drei Wochen Südafrika im Sommer, und wir haben noch nicht am Strand gelegen. Das ändert sich jetzt am Traumstrand von Kleinmond. Hier werden wir Teil eines bunten Mosaiks an Besuchern: Feuerwehrleute vom Waldbrandeinsatz, blondierte achtjährige Mädchen mit lackierten Fußnägeln, in Sporthosen badende Moslems, angelnde Schwarze, neureiche Weiße mit Sekt und Sonnenbrand. Der Bademeister donnert mit seinem Jetski knapp an den Surfern vorbei, der Feuerwehrhubschrauber dicht über sie hinweg.
Am frühen Nachmittag müssen wir los – wir sind um 16 Uhr in Kapstadt an der Autovermietung verabredet. Zum Glück führt der Weg dorthin über die traumhafte Küstenstraße R 44 an der glitzernden False Bay.
Den letzten Abend des großen Urlaubs auf dem Hof einer Autovermietung zu verbringen, ist keine sonderlich romantische Vorstellung. Zum Glück gestaltet sich die Wirklichkeit schöner als die Vorstellung: Die schweizstämmige Dame von Britz versorgt uns mit frischen Handtüchern und dem Schlüssel zur Dusche, hinten auf dem Hof scheint die Sonne sanft in einen Garten, und wir haben noch jede Menge leckere Vorräte, die zu verspeisen sind. Dabei sind wir entspannt wie selten. Neun Katzen beobachten uns, Julia gibt der niedlichsten den Namen Mama Afrika. Frank latscht im Dunkeln rüber zur Tankstelle nebenan, um Kram loszuwerden – Gummilatschen, Grillrost mit Bürste, Waschmittel, dergleichen mehr. Der Tankwart sieht ihn an: „Willst du das verkaufen?“ – „Nein, verschenken.“ Da strahlt der Tankwart: „Au ja, das Grillrost ist toll! Der Rest auch.“
Unsere Koffer werden auch so schwer genug. Wir haben zwar fast jeden Abend Wein getrunken, sieben Flaschen sind aber immer noch unterzubringen. Und Honig. Und Marmelade. Der Platz reicht – aber ob wir die 20-Kilo-Grenze halten? Das werden wir morgen früh sehen – der Flug geht um 7.15 Uhr.

21. März. Der Taxifahrer kommt um 4.45 Uhr – eine Viertelstunde später als bestellt, weil er verschlafen hat, aber das haben wir eingeplant. Er hatte vier Kinder, eins ist schon gestorben, hat noch nie Schnee angefasst – hoppla, schon da. Sehr rechtzeitig kommen wir am Flughafen an. Unsere beiden Koffer wiegen zusammen gut 48 Kilo, wie bei den Fluggästen am Schalter neben uns; aber im Gegensatz zu denen zickt bei uns die Air-Berlin-Schalterdame nicht, zuckt nicht mal, sondern checkt das Gepäck einfach ein. Wir gehen noch im Mugg & Bean frühstücken, steigen entspannt ins Flugzeug (allein unter Bayern), und der Tafelberg, der einsam über der dichten Wolkendecke thront, winkt uns würdevoll hinterher. Ungewohnt reibungslos klappt die gesamte Rückreise bis nach Hause in Kreuzberg am Abend um halb zehn.

Dünner und dicker Junge

Dünner und dicker Junge

Feuerwehrhubschrauber überm Strand

Feuerwehrhubschrauber überm Strand

Am Strand von Kleinmond

Am Strand von Kleinmond

Waldbrand auf dem Palmietberg

Waldbrand auf dem Palmietberg

Die einen wollen ins Resort, die anderen nach Hause in die Wellblechhütte

Die einen wollen ins Resort, die anderen nach Hause in die Wellblechhütte

Protea, Pässe, Polizei


17. März. Hinein in die Fluten! Wir gehen vorm Frühstück im Indischen Ozean schwimmen. Versorgt mit Reisetipps von unseren Nachbarn, die vor Jahrzehnten in der Schweiz und in Schwaben lebten, reiten wir weiter über den steilen Outeniqua-Pass. Es geht nach Oudtshoorn, der Hauptstadt der Straußenzucht. Ein Schauer treibt uns in die Läden – schade, dass Straußenledertaschen hier teurer sind als in Kapstadt. Auch Frank kann sich trotz guter Beratung im Fachgeschäft nicht durchringen, ein Zebrafell für seine kleine Wohnung zu kaufen.
Auf einer Straußenfarm wird uns eine deutschsprachige Führung zuteil: Carol Ann hat in der Schule Deutsch gelernt und will demnächst nach Stuttgart gehen (sie scheint Herausforderungen zu lieben). Der nächste Schauer prasselt auf uns nieder, als Julia sich auf Straußeneier stellt – kein Problem, die Schale ist zwei Millimeter stark und Julia leicht.
Auf der Rückfahrt von der Farm wird Frank zum Krötenretter: Er trägt eine Schildkröte, groß wie ein halber Fußball, über die Fernstraße.
Eine Stunde nachdem Julia mit Strauß William geschmust hat, kaufen wir beim Schlachter 400 Gramm Straußenwurst und im Obstladen Feuerholz. Das landet sofort auf dem Grill des Campingplatzes, an dem wir unseren Nachbarn John kennenlernen: einen kaffeebraunen Kerl mit krausem Haar und blauen Augen, also „coloured“. Genau wie André, der aus Deutschland stammt (13. März), beklagt er sich bitter über die Politik der Nach-Mandela-Ära. Gleichzeitig zeigt er Frank seine Grill-Tricks, schenkt ihm zusätzlichen Grillanzünder, gibt eine Dose Bier aus, bietet seine Barbecue-Sauce an, verleiht sein Grillbesteck und überlässt uns – weil unser Holz feucht ist und noch Zeit braucht – seine heiß glühende Kohle. So verspeisen wir nach und nach unsere Straußenwurst, Süßkartoffeln und gegrillte Zucchini und kauen auf zähen T-Bone-Steaks herum.

18. März. Es ist noch stockfinster, bestimmt vor fünf Uhr, da weckt uns der Gesang eines Chores: Stimmgewaltige Männer und Frauen schmettern, vielleicht fünfzig Meter entfernt, grandiose Gospel-artige Melodien in einer afrikanischen Sprache – und in einer Präzision und Qualität wie die Don Kosaken zu ihren besten Zeiten. Aber warum so früh? Und warum hören wir sie zunächst von rechts, dann von weiter links, dann weiter entfernt? Feiertag? Ritual? Revolution?
John klärt uns auf: Die Polizei veranstaltet frühmorgens Fitnessprogramme, damit die Beamten abnehmen – und die singen dabei. „Die Schwarzen können ja nicht viel“, findet John, „aber singen können sie.“
John hat früher mit Biltong gehandelt, dem getrockneten und eingelegten Fleisch, das im südlichen Afrika so beliebt ist; jetzt spezialisiert er sich auf Fisch und verkauft unter anderem getrockneten und eingelegten salzigen Fisch – genau: Fisch-Biltong.
Auf Johns Empfehlung drehen wir eine Runde nördlich von Oudtshoorn durch die Meiringspoort-Schlucht – eine atemberaubende Strecke, mindestens so schön wie die herrlichsten Straßen in den Alpen. Wir verbringen dort ein wenig Zeit, klettern hinauf zum 60 Meter hohen Wasserfall. Wollen wir direkt nach Oudtshoorn zurück, oder fahren wir über den Swartbergpass. Och, das sieht auf der Karte kaum länger aus. Ha, von wegen! Der Pass erweist sich als enger, steiniger und vor allem steiler Pfad über die Großen Swartberge – endlich kommt die Geländeuntersetzung unseres Autos zum Einsatz. Frank genießt die anspruchsvolle Strecke, Julia die letzten Protea-Blüten des Jahres, beide die spektakulären Aussichten.
Nachteil des herrlichen Ausflugs: Er hat viel Zeit gekostet. Also pedal to the metal und versuchen, heute noch Montagu zu erreichen. Oder wenigstens Barrydale, wo es einen Campingplatz neben heißen Quellen geben soll. Die Strecke zieht sich, und als wir Barrydale erreichen, merken wir, dass die heißen Quellen schon 18 Kilometer hinter uns liegen. Der Campingplatz im Ort existiert nicht mehr, Montagu ist noch weit – also beziehen wir erstmals seit zwei Wochen eine Unterkunft mit Dach und Bett. Die ältere Dame in „Sandy’s Place“ ist entzückt und übergibt uns eine Ferienwohnung, die außerdem antike Möbel bietet, eine Küche und eine Terrasse, auf der wir uns wieder entspannen.

19. März. Meyer Joubert (Meyer scheint sein Vorname zu sein) knattert mit seiner KTM-Enduro auf sein Weingut, nimmt den Helm ab, sieht aus wie der junge Alain Delon und zieht den ersten Korken des Tages, um uns zu beraten. Sein Gut Joubert-Tradauw bei Barrydale produziert nur kleine Mengen von nur vier Weinen – „ich könnte auch mehr Sorten schaffen oder die Menge erhöhen, aber dann müsste ich viel Zeit in Marketing stecken und herumreisen. Aber ich kümmere mich lieber um meine Weine und ihre Qualität.“ Mit Erfolg.
In Montagu sprudeln heiße Quellen, sorgfältig umschlossen von einer Premium-Badeanstalt, in der an diesem langen Wochenende Kinder aller Hautfarben planschen. Wir verzichten bei der Hitze auf heiße Quellen, schlendern stattdessen über den putzigen Kunsthandwerk-Markt. Das Café „The Joshua Tree“ ist ein kleines Paradies: Im Halbschatten der Bäume im Hof schlecken wir cremige Kuchen, ein Gitarrist zupft dazu leise-jazzig schöne Melodeien. Das Café wurde nach einem Projekt benannt, bei dem Township-Bewohner Möbel aus Weinfässern herstellen und verkaufen – „Tree“ steht fürs Holz, „Joshua“ für den gottesfürchtigen, aber ansonsten unerschrockenen Führer aus dem Alten Testament.
Heute Morgen hat Meyer Joubert uns empfohlen, viel Zeit an der Südspitze zu verbringen, rund um Cape Agulhas. Viel Zeit haben wir leider nicht mehr; aber da er Onrus als besonders schön beschrieben hat und es dort einen Campingplatz gibt (der trotz des langen Wochenendes noch nicht ganz ausgebucht ist), geht’s halt nach Onrus, vorbei an einem gigantischen Waldbrand in den Bergen. Hat Meyer-Joubert sich geirrt oder wir den schönen Teil von Onrus verpasst? Die steinige Küste, in der faulendes Kelp stinkt, begeistert uns jedenfalls nicht.
Inmitten des eher einfachen Camping-Publikums hier wächst der Wunsch nach ein wenig höherer Zivilisation. Das örtliche Restaurant erfüllt uns diesen Wunsch in gewissem Maße. Der Mann zum Beispiel, der uns um eine Führung durch unseren Camper bittet, bedient sich einer ausgesuchten Wortwahl, möglicherweise um seinen Schwips zu überspielen. Nach anständigem Wein und sehr nettem Fisch sind wir mit Onrus versöhnt.

Die Nationalblume Protea - oben auf dem Berg blüht sie im März noch

Die Nationalblume Protea - oben auf dem Berg blüht sie im März noch